Emilio Galoppi

Alpakka 0815

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Man hat mir gesagt, ich soll dankbar sein.
Für Schutz.
Für Ordnung.
Für all das, was andere für mich entschieden haben.
Ich hab genickt.
Ich war schließlich brav.

Emilio Galoppi, sauberer Stall, goldenes Tor,
alle sagen „Schutz“, doch ich hör nur das Wort davor.
Keiner will der Böse sein, jeder meint es gut,
doch am Ende liegt die Unschuld wieder unterm guten Hut.

Ich komm aus dem Stall, Fell noch weich, Blick noch offen,
man nennt mich empfindlich, leicht zu lenken, leicht zu hoffen.
Sie sagen: „Bleib bei uns, draußen ist es kalt“,
doch die Wärme hier drin hat ’nen Griff aus Gewalt.
Jede Hand auf meiner Schulter meint es ehrlich,
jede Stimme klingt ruhig, sachlich, väterlich.
Doch wenn ich frage: „Was will ich eigentlich?“,
wird es still – und plötzlich wird Vernunft unerquicklich.
Man erklärt mir die Welt mit sauberem Ton,
Sätze geschniegelt, geschniegelt wie der Thron.
Keiner schreit, keiner droht, keiner zieht ein Messer,
doch jeder Satz macht meine Grenzen ein Stückchen enger.

Emilio Galoppi, sauberer Stall, goldenes Tor,
alle sagen „Schutz“, doch ich hör nur das Wort davor.
Keiner will der Böse sein, jeder meint es gut,
doch am Ende liegt die Unschuld wieder unterm guten Hut.

Sie reden von Moral, von Ordnung, von Pflicht,
doch Pflicht ohne Wahl ist nur Zwang mit Gesicht.
Ich soll dankbar sein für den Käfig aus Gold,
der mich schützt vor der Freiheit, die keiner mir gönnt.
Man nennt es Vernunft, wenn man mich verwaltet,
nennt es Liebe, wenn man meine Wege gestaltet.
Und ich steh da geschniegelt, geschniegelt im Geist,
während man mir erklärt, warum Gehorsam Freiheit heißt.
Ich bin kein Prinz, kein Vater, kein Spieler im Spiel,
nur ein Alpaka mit Fragen, doch Fragen sind viel.
Denn wer fragt, der stört, wer zögert, der fällt,
und wer fühlt, passt schlecht in ’ne geregelte Welt.

Alle wollen mein Bestes.
Aber keiner will mich.
Sie wollen Ruhe.
Sie wollen Ordnung.

Man opfert mich nicht aus Hass, sondern aus Prinzip,
man sagt: „Es tut uns leid“, während das System mich verschiebt.
Keiner hebt das Messer mit zitternder Hand,
es ist Routine, geschniegelt, geschniegelt geplant.
Und später sagt man: „Es musste so sein“,
die Umstände schwierig, die Lage gemein.
Doch das Blut auf dem Teppich ist selten spontan,
es ist das Ende von vielen gut gemeinten Plan’n.
Ich trag keine Schuld, doch ich zahl den Preis,
weil man Angst vor der Freiheit hinter Unschuld versteckt und verheißt.
Und irgendwo schreibt einer sauber und klar,
warum mein Verstummen notwendig war.

Emilio Galoppi, leiser Schritt, schwerer Raum,
alle sagen „Schutz“, doch ich nenn es kaum.
Keiner wollte böse sein, jeder blieb korrekt,
doch Korrektheit hat schon oft das Falsche zugedeckt.

Ich bin Emilio Galoppi, nicht tragisch, nicht rein,
nur ein Spiegel dafür, wie gut gemeint böse sein kann.
Wenn ihr mich fragt, was ich gelernt hab im Licht:
Nicht jeder, der schützt, respektiert dich.

Manchmal braucht Unschuld
keinen Wächter –
sondern eine Stimme.